Von Canon DSLR zu Fujifilm Mirrorless

Vor nicht ganz einem Jahr habe ich eine Fujifilm X-T2 gekauft. Auch wenn ich hier schon mehrfach Bilder geteilt habe, hatte ich bis jetzt noch keine Gelegenheit mal etwas über die Kamera oder meinen Einstieg in die Fujifilm Welt zu schreiben.

Meine alte Canon 450d entsprach schon lange nicht mehr dem, was ich eigentlich haben wollte. Nicht zuletzt dadurch motiviert, dass wir nun ein Kind im Haus haben, dessen Alltag ich - unter anderem - mit der neuen Kamera dokumentieren wollte, wurde es Zeit für etwas Neues.

Warum keine neue Canon?

Meine Canon hat zwar noch immer gute Bilder gemacht, aber Kameras ohne Spiegel haben mich schon sehr interessiert. Sie sind kleiner, leichter und haben einige Vorteile.

Weil die Anzahl meiner Canon Objektive überschaubar war, konnte ich mit einem eventuellen Systemwechsel gut leben. Denn Canon hat bis zum heutigen Zeitpunkt keine spiegellose Kamera die mich wirklich interessiert. Die Canon EOS M5 sah ganz interessant aus, aber die EOS M-Objektive gefielen mir nicht. Klar, man kann mit einem Adapter auch EF-S-Objektive nutzen, aber das ist auch irgendwie nicht das, was ich eigentlich wollte.

Nach etwas Recherche und dem langen Wunsch irgendwann mal eine Vollformat Kamera zu besitzen, bin ich natürlich schnell bei Sony gelandet. Nach mehrfachen Besuchen im Fotoladen, war ich entschlossen eine Alpha 7 II zu kaufen (die Mark III gab es damals noch nicht).

Gerade weil es mir darum ging, unsere Tochter zu fotografieren - und Kinder laufen nun mal schnell umher - war es mir schon wichtig, eine Kamera zu finden, die einen Auto-Fokus hat der auch diese Aufgabe problemlos meistern kann. Doch nach vielen Reviews im Netz und Videos auf YouTube, war ich sehr unsicher bezüglich der Auto-Fokus Leistung.

Außerdem war da noch die Sache mit den Objektiven.

Weil die A7II nunmal eine Vollformat-Kamera ist, sind die meisten Objektive relativ groß (und schwer). Schließlich stecken da so einige Elemente drin. Natürlich haben die Objektive eine entsprechend gute Leistung, doch für einen Amateur wie mich, war der Preis (der echte und der "Preis" des Gewichts) dann doch etwas zu hoch. Die günstigen Sony Objektive gefielen mir nicht und die G Master Serie war mir zu teuer. Natürlich gibt es auch Drittanbieter (Sigma und Co.), aber irgendwie fühlte es sich für mich nicht optimal an.

Was ist also die Alternative?

Bei einem meiner Besuche im Fotoladen - um eigentlich die A7II anzusehen - zeigte mir der Verkäufer nebenbei eine Fujifilm X-T2. Ich war sofort sehr überrascht über die gute Verarbeitung. Die Kamera fühlte sich extrem solide an. Außerdem fand ich die ganzen Einstellräder (ISO, Belichtungszeit und Blende am Objektiv) irgendwie interessant, fand es aber auch total unsinnig, das die "so auf Retro machen". Außerdem fehlte mir der ausgeprägte Griff, den ich von Canon kannte und ebenfalls bei Sony fand.

Mein Interesse war aber doch geweckt. Ich las einige Reviews und schaute unzählige Videos auf YouTube. Irgendwann verstand ich dann, warum Fujifilm Fans so auf dieses Retro-Design und alles was damit zu tun hat abfahren.

Außerdem fiel mir sehr positiv auf, dass Fujifilm unglaublich aktiv an der Firmware ihrer Kameras arbeitet. Modelle die schon ein paar Jahre alt sind, bekommen noch immer Firmware Updates. Diese beinhalten nicht selten neue Funktionen oder optimieren vorhandene. Üblicherweise werden auch irgendwelche Probleme behoben.

Die Fujifilm X-T2 sollte es sein!

Weil ich nicht nur eine Kamera für Fotos, sondern auch etwas für gelegentliche Videos suchte, fiel meine Auswahl bei Fujifilm schnell auf die X-T2. Denn die X-T2 war die einzige Fujifilm, die zum damaligen Zeitpunkt auch 4K-Video (downsampled 6K) aufnehmen konnte.

Inzwischen hat auch die etwas ältere X-Pro 2 die Möglichkeit für 4K-Videos mit einem Firmware Update bekommen. Doch ich hätte mich so oder so für die X-T2 entschieden, denn der Rangefinder-Style war nicht so meins und die X-T20 (macht auch 4K, ohne downsampling) war mir etwas zu klein. Inzwischen finde ich Rangefinder-Style gar nicht mehr so doof. Gerade die X100F und die X-E3 gefallen mir sehr gut.

Noch wichtiger: Die Bilder die ich im Netz fand, sagten mir sehr zu. Fuji Kameras generieren einfach sehr schöne Farben. Außerdem gibt es total tolle Filmsimulationen. Im ersten Moment denkt man da an Instagram-Filter, doch davon sollte man sich nicht täuschen lassen.

Denn alle Filmsimulationen, simulieren den Look echter Fujifilm-Filme. Diese sind farblich sehr gut abgestimmt und führen je nach Motiv und Filmsimulation zu wirklich tollen Fotos. Den Großteil meiner Fotos muss ich überhaupt nicht mehr bearbeiten und nutzte tatsächlich einfach die JPEGs.

Die Fujifilm X-T2, kann noch etwas mehr, wenn man den Batteriegriff dazu kauft. Denn dieser verlängert nicht nur die Akkulaufzeit (logisch), sondern hat noch einen Kopfhörer Ausgang (interessant für Videos) und bringt einen Boost-Mode mit. Denn wenn der Griff angesteckt ist, kann die Kamera längere 4K-Videos aufnehmen, mehr Bilder pro Sekunde schießen und hat eine erhöhte Refresh-Rate im elektronischen Sucher.

Auch wenn ich diese Features super finde, war mir klar, dass ich den Griff nicht unbedingt brauche. Trotzdem hatte ich etwas Glück, denn zum Zeitpunkt meiner Kaufentscheidung, gab es den Griff kostenlos dazu. Das war ein super Deal, denn der Griff kostete einzeln schon rund 290 Euro (inzwischen etwas günstiger).

Ergonomie der Kamera

Wie bereits geschrieben, hatte ich ein paar Sorgen wegen der Ergonomie. Denn die Fujifilm Kameras haben alle relativ kleine bis gar keine Griffe (mal abgesehen von der neuen X-H1).

Aus diesem Grund, habe ich den Batteriegriff öfter benutzt, um die Ergonomie etwas zu verbessern. Doch letzten Endes wurde mir die Kamera dadurch zu schwer und zu groß. Aus diesem Grund habe ich den Batteriegriff nach relativ kurzer Zeit wieder verkauft.

Stattdessen habe ich mir einen Handgriff von Meike (MK-XT2G) gekauft. Dieser ist etwas ausgeprägter als der Batteriegriff und verlängert das Gehäuse noch etwas nach unten. So findet auch mein kleiner Finger Platz am Griff und muss die Kamera nicht von unten stützen. Der Handgriff von Meike ist gut verarbeitet (Aluminium und hochwertiger Kunststoff). Aufgrund dieser Tatsache, sah ich keinen Grund für den doppelt so teuren Fujifilm Handgriff (MHG-XT2).

Auswahl der Objektive

Die Auswahl der Fujifilm Objektive war wie für mich gemacht. Viele, sehr gute, Festbrennweiten die alle nicht zu groß und bezahlbar sind. Natürlich ist "bezahlbar" immer etwas relativ, aber im Vergleich zu Sony, bin ich da bei Fuji mit meinen Amateur-Ansprüchen schon besser dran.

Fujifilm hat zwei Arten von Festbrennweiten. Die etwas älteren (XF 23mm F1.4, XF 35mm F1.4, XF 56mm F1.2) und die etwas neueren (XF 23mm F2, XF 35mm F2, XF 50mm F2).

Hier hat sich Fujifilm dazu entschieden, etwas auf Lichtstärke zu verzichten (deswegen "nur" F2 Blende), die Objektive dafür aber sehr leicht und klein zu machen. Außerdem sind die F2er mit einem neueren Auto-Focus-Motor ausgestattet, der praktisch nicht zu hören ist. Das ist gerade bei Videos extrem praktisch, weil man den Motor im Video nicht hört. Zusätzlich ist der Auto-Focus der F2er Objektiv deutlich schneller. Aufgrund ihrer geringen Größe, passen sie auch super auf die Rangefinder Kameras (X-Pro 2 und X-E3) und auf die Geschwister der X-T2 (X-T20, X-T100), ohne das Handling der Kameras zu verschlechtern.

Ich habe mich beim Kauf der X-T2 für das XF 23mm F2 entschieden. Zusätzlich habe ich noch ein gebrauchtes Zeiss Touit 32mm f1.8 gekauft. Auch wenn ich mit der Abbildungsqualität vom Zeiss absolut zufrieden war, hatte ich doch immer mal wieder Probleme mit dem Auto-Focus. Gerade bei schnelleren Bewegungen, kam das Touit leider nicht mit. Ich habe es deswegen verkauft und durch das XF 35mm F2 ersetzt. Das 35mm erfüllt alle Anforderungen, die ich bereits vom XF 23mm F2 gewohnt war.

Weitere interessante Objektive von Fujifilm

Fujifilm hat noch allerhand interessanter Objektive. Als nächstes steht für mich wohl das XF 56mm F1.2 oder das XF 90mm F2 an. Auch das XF 16-55mm F2.8 sieht sehr interessant aus (von Hendrik habe ich erfahren, dass das XF 18-55 mm F2.8-4 R LM OIS auch super sein soll). Doch bis jetzt bin ich mit meinen zwei Festbrennweiten für die meisten Fälle gewappnet.

Software und Firmware für Fujifilm Kameras

Dieser Beitrag soll nicht nur von meinem Erlebnis mit der Kamera berichten, sondern auch ein paar Tipps für Neueinsteiger bereitstellen.

Firmware Update

Mein erster Tipp wäre, dass die Kamera nach dem Kauf sofort ein Firmware Update bekommt. Die Firmware kann man auf der offiziellen Fujifilm Website kostenlos herunterladen. Danach muss die Datei einfach auf die Memory Card kopiert werden und auf der Kamera installiert werden. Hier bitte den Anweisungen auf der Fujifilm Website nachgehen, denn ich bin mir nicht sicher, ob es hier Unterschiede gibt, wie die Firmware beim Start der Kamera geladen wird.

Nützliche Desktop Software

Fujifilm bietet ein paar Tools an, die ganz nette Zusätze zu den Kameras bieten:

FUJIFILM X RAW STUDIO

Fujifilm liegt viel wert auf seinen X-Trans Prozessor, darum wundert es mich nicht, dass sie eine Software wie X RAW STUDIO (Download) veröffentlicht haben.

Mit Hilfe von dieser Software, kann man eine angeschlossene Fujifilm Kamera als externen RAW-Prozessor nutzen und so den gleichen Look der auf der Kamera entsteht (JPEGs) nachträglich aus RAW Dateien generieren.

Einziger Nachteil: Die RAW Dateien müssen auf dem Computer bereits vorhanden sein und können nicht einfach von der Speicherkarte aus editiert werden. Ich hoffe Fujifilm liefert hier noch irgendwann ein Update, dass einem diese Möglichkeit bietet.

Man kann seine RAW Dateien natürlich auch in Lightroom, Luminar usw. editieren, aber „den echten“ Look bekommt man nachträglich nur mit X RAW STUDIO hin.

Abgesehen davon, ist es ein nettes kleines Tool um nachträglich die RAW Werte zu editieren, gerade wenn man nicht im Besitz einer Lightroom/Luminar usw. Lizenz ist.

FUJIFILM X Acquire

Mit X Acquire (Download) kann man z.B. Fotos direkt nach der Aufnahme auf den PC/Mac übertragen. Das ist aber wohl eher für Fotografen im Studio interessant, die ihre Aufnahmen direkt auf einem großen Monitor oder in Lightroom sehen wollen.

Aber ein nettes Feature bietet die Software: Man kann seine Kameraeinstellungen herunterladen und auch wieder importieren. Gerade wenn man viele Einstellungen in der Kamera angepasst hat (Tastenbelegungen, angepasste Filmsimulationen usw.) kann man diese ganz einfach mit X Acquire sichern. Sollte der Kamera also etwas zustoßen, oder sie - warum auch immer - ihre Einstellungen verlieren, hat man diese für die Zukunft gesichert.

Interessantes Zubehör

Für Fujifilm Kameras gibt es lauter nettes Zubehör. Ein paar Sachen die unter Fujifilm Fotografen recht beliebt sind:

Griffansätze

Auch wenn der Retro-Look der Fuji’s super aussieht, wünschen sich doch einige Besitzer etwas mehr Komfort. Gerade wer größere Objektive nutzen will, kommt an einen Griffansatz nur schwer vorbei.

Ich hatte bereits den MK-XT2G von Meike oben erwähnt. Es gibt aber praktisch für fast alle Modelle Zusatzgriffe von Fujifilm oder anderen Anbietern. Ganz nett finde ich auch die handgemachten Holzgriffe von holzgriff.ch. Sie passen super zum Retro-Look!

Gurte, Seile und so weiter

Natürlich sind diese Dinge nicht Fuji spezifisch, sehen an Fuji Kameras aber einfach total stylisch aus.

Zum einen gibt’s da die Tragegurte von Hyperion Handmade und im gleichen Stil von einem deutschen Anbieter „SeilStyle“. Außerdem finde ich die von Camrope.de ganz schön. Ich habe mich selber noch nicht entschieden, werde da aber wohl irgendwann mal investieren.

Objektiv-Adapter

Auch wenn die meisten Fujifilm Besitzer wahrscheinlich bei X-Mount Objektiven bleiben, gibt es doch ein paar interessante Adapter-Möglichkeiten.

Zum einen sind da die ganzen „einfachen“ Adapter, also Adapter ohne Elektronik, welche man nutzen kann um alte Objektive (von fast allen Herstellern) an Fujifilm Kameras zu nutzen. Zum anderen gibt es seit Kurzem ein paar elektronische Adapter, die es einem erlauben Canon EF-S Objektive an Fuji’s zu nutzen. Ich habe noch keine Erfahrungen mit elektronischen Adaptern gemacht, aber die Modelle von Fringer sehen interessant aus.

Carl Zeiss Objektiv mit Contax Yashica Mount per K&F Adapter an der X-T2

Carl Zeiss Objektiv mit Contax Yashica Mount per K&F Adapter an der X-T2

Interessant an alten Objektiven ist, dass diese in der Regel auch keine Elektronik benötigen und deswegen meistens noch über einen Fokus und Blendenring verfügen. Man hat im Grunde also keine Nachteile. Steckt man hingegen ein EF-S Objektiv auf einen EF-S zu FX Adapter, kann man zwar manuell fokusieren, verliert aber die Blendensteuerung, was eher sub-optimal ist.

Filmsimulationen anpassen

Das mag von Fuji zu Fuji Kamera unterschiedlich sein, aber bei meiner X-T2 kann ich alle Filmsimulationen anpassen. Lichter und Schatten, so wie Rauschreduktion und Schärfe lassen sich mit max. -4 bis max. +4 verschieben (unterschiedlich je Wert). Dank dieser Einstellmöglichkeit, kann man seine JPEGs aus der Kamera heraus schon etwas anders aussehen lassen, als die vordefinierten Einstellungen.

Auch wenn ich extrem zufrieden mit den Fuji Filmsimulationen bin, macht es trotzdem Spaß hier ein wenig zu experimentieren.

RAW oder JPEG, oder beides?

Das ist nicht so leicht zu beantworten. Die einen schwören darauf alles in RAW zu schiessen und würden niemals auf die Idee kommen JPEGs auch nur im Ansatz unbearbeitet zu nutzen.

Doch um ehrlich zu sein, sind die JPEGs die Fuji Kameras produzieren mit die besten die man finden kann. Fujifilm hat einfach ein Auge für die Farben und liefert hier exzellente Ergebnisse.

Trotzdem schiesse ich sowohl RAW als auch JPEG. In der X-T2 kann ich zwei Speicherkarten gleichzeitig verwenden. Auf der einen landen alle Bilder als RAW (.RAF bei Fuji) und auf der anderen alle Fotos als JPEG.

Wenn ich unterwegs bin wechsle ich immer mal wieder zwischen Filmsimulationen (meistens Classic Chrome oder Acros) und so habe ich alle "fertigen" JPEGs direkt im Zugriff. Trotzdem archiviere ich sowohl die RAWs als auch die JPEGs. Möchte ich ein S/W-JPEG irgendwann doch wieder in Farbe haben, kann ich es aus dem RAW File einfach reproduzieren (z.B. mit X RAW STUDIO).

Es gibt aber auch Leute, die nur JPEGs schiessen und sich einfach damit abfinden, dass das Bild "für immer" so ist, wir zum Zeitpunkt der Aufnahme. Ein wenig wie früher eben.

Fazit

Ich bin mit meinem Wechsel von Canon zu Fujifilm total zufrieden. Denn ein wichtiger Faktor war mir vorher nicht bewusst: Fujifilm Kameras machen unfassbar viel Spaß. Das ich als Fotograf Einstellräder für alle wichtigen Settings habe, sorgt bei mir für unglaublich viel Freude, denn ich muss praktisch nie in irgendwelchen Menus umhersuchen. Die JPEGs erleichtern mir die Arbeit, denn ich muss wenig bis selten nachbearbeiten. Es sind noch viele kleine Details, aber ich habe nun schon genug hier geschrieben. :)

Trotzdem nenne ich hier noch ein paar Links, die mir beim Umstieg und Einstieg ganz gut geholfen haben.

Weitere Resourcen zu Fuji Kameras und Fotografie im Allgemeinen:

Interessante Links:

Interessante Videos / YouTube Channel: